Julius-Klinkhardt-Preis / Preisverleihung 2017

Julius-Klinkhardt-Preis 2017

Preisträgerinnen: Julika Böttcher und May Jehle

Der Julius-Klinkhardt-Preis wurde auf der Sektionstagung 2017 zum zweiten Mal für Projekte im Entstehen verliehen. Vorstand und Beirat der Sektion hatten vor einigen Jahren gemeinsam mit dem Stifter des Preises, Herrn Andreas Klinkhardt, überlegt, dass es für den wissenschaftlichen Nachwuchs eine bessere Unterstützung und ein Ansporn sein könnte, noch nicht abgeschlossene Forschungsarbeiten auszuzeichenen, die einen innovativen Beitrag zur Historischen Bildungsforschung leisten und quellenbasiert sind.
Aufgrund vieler sehr guter Einreichungen hat sich die Jury in diesem Jahr dafĂĽr entschieden, zwei Projekte gleichrangig auszuzeichnen.

Frau Julika Böttcher, M. Ed., Universität Hamburg für ihr Dissertationsprojekt "Die Türkei als Argument in der pädagogischen Tagespresse 1880-1918. Eine Untersuchung zum berufsständischen Selbstverständnis deutscher Volksschullehrerinnen und Volksschullehrer" (Betreuung: Ingrid Lohmann, Christine Mayer). Das Projekt zeichnet sich durch eine reflektierte Kontextualisierung bildungshistorischer Problemstellungen aus, indem die politischen, ökonomischen und kulturellen Verflechtungen des Osmanischen und des Deutschen Reiches als Macht- und Einflussgewinnung des Kaiserreichs interpretiert werden, an denen auch der pädagogische Diskurs der Volksschullehrerschaft teilhatte. Das Projekt zeigt auf, dass im deutschen pädagogischen Diskurs die Beziehungen zur Türkei nicht erst mit dem Anwerbeabkommen in den 1960er Jahren eine Rolle zu spielen begann. Das Projekt verleiht der Analyse der deutsch-türkischen Beziehungen eine neue bildungshistorische Tiefendimension.
Frau May Jehle, M. A., Goethe-Universität Frankfurt am Main, für ihr Dissertationsprojekt, "Politische Bildung und Erziehung im Unterricht. Kontrastive Fallstudien anhand von Unterrichtsaufzeichnungen aus der DDR und der Bundesrepublik Deutschland von 1978 bis 1995" (Betreuung: Henning Schluß). Das Projekt erschließt Videographien als neue Quellen einer zeithistorisch-vergleichenden Unterrichtsforschung, die zwischen den 1970er und den 1990er Jahren aufgezeichnet worden sind. Die Forschungsfrage richtet sich auf die Spannung zwischen der propagierten fachdidaktischen Unterrichtsgestaltung und der beobachtbaren Unterrichtspraxis.