EWR 21 (2022), Nr. 1 (Januar)

Carmen Mattheis
Menschen im Gespräch
Lehrerfortbildung im europäischen Kontext
Hohengehren: Schneider Verlag 2021
(158 S.; ISBN 978-3-8340-2106-9; 24,70 EUR)
Menschen im Gespräch Die von Carmen Mattheis herausgegebene Publikation zum dreijährigen Erasmus+ Projekt „Menschen im Gespräch. Lehrerfortbildung im europäischen Kontext“ fokussiert auf die Zunahme von Vielfalt und der damit einhergehenden Notwendigkeit von Inklusion im schulischen Kontext. Innerhalb des Projekts kooperierten die Regionen Baden-Württemberg, Salzburg und Südtirol. Letztendlich sind vier Intellectual Outputs (IOs) bzw. Produkte entwickelt worden, die zu einer inklusiven Gesellschaft beitragen sollen und im Buch näher, u. a. anhand von Postern, vorgestellt werden.

Um den Aufbau des Buches bestmöglich veranschaulichen zu können, werden die Kapitel nachfolgend kurz zusammengefasst. Kapitel 1 (Carmen Mattheis und Heidi Bopp) ist durch eine Einführung in das Erasmus+ Projekt gekennzeichnet. Hierbei werden die Genese, die Zielsetzung, die Teilprojekte (IOs) und die Projektpartner*innen angesprochen. Als übergeordnetes Ziel wird dabei die Integration bzw. Inklusion von Migrant*innen und Flüchtlingen in das jeweilige regionale Bildungs- bzw. Gesellschaftssystem definiert. Dies soll durch die IOs, die im Rahmen des Projekts entwickelt wurden, erreicht werden (Kapitel 1.2., Carmen Mattheis und Heidi Bopp). Kapitel 2 (Hermann Scheiring und Anselm Böhmer) umfasst ein wissenschaftliches Begleitwort der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg. Darauf aufbauend wird die Evaluation des Erasmus+ Projekts (Kapitel 3, Hermann Scheiring et al.) thematisiert, welche die Erfahrung von Lehrkräften, die Fortbildung für Lehrkräfte und das Mehrsprachen-Kompetenzmodell gesondert betrachtet. Kapitel 4 (Carmen Mattheis und Heidi Bopp) beinhaltet einen Posterguide. Durch diesen werden die Produkte der kooperierenden Regionen ideenreich vorgestellt. Zusätzlich wird in Kapitel 5 (Carmen Mattheis und Heidi Bopp) ein Überblick zur offiziellen Homepage gegeben. Auch ein weiterführendes Erasmus+ Projekt am staatlichen Schulamt Pforzheim wird angeführt (Kapitel 6, Heidi Bopp und Carmen Mattheis).

Diese Bezugnahme liefert zusätzliche und vertiefende Informationen in Hinblick auf den Umgang mit Heterogenität und Mehrsprachigkeit im Kontext Schule. Darüber hinaus ermöglichen Kapitel 7 (Carmen Mattheis und Heidi Bopp) und 8 (Volker Traub) eine individuelle Bezugnahme beteiligter Personen. Hierunter fallen Rückmeldungen bzw. Zitate zu „Menschen im Gespräch“ von Lehrkräften sowie eine Rückmeldung vom Leiter des Staatlichen Schulamts Pforzheims.

Abschließend werden in Kapitel 9, im Anhang, die vier ausgearbeiteten IOs beigefügt.
Als besonders kreativ fällt in der Publikation die Darstellung der verschiedenen Teilprojekte (IOs) in Form des Posterguides auf. Das „IO1 Mehrsprachencurriculum“ (Kapitel 9.1., Joanna Barett et al.) verdeutlicht den Bedarf einer Überarbeitung von Curricula unter Berücksichtigung von Heterogenität. Innerhalb des Posterguides hebt sich hierbei vor allem das Poster „Insel Realschule – Wir leben Sprachvielfalt (Kerstin Tron und Ellen Ziegler)“ ab.

Durch die Differenzierung der vier Bereiche „Interkulturelles Miteinander“, „Unterrichtsentwicklung“, „Personalentwicklung“ und „Elternarbeit“ wird ad hoc erkennbar, welche Faktoren im Kontext Schule und darüber hinaus, innerhalb einer inklusiven Gesellschaft, mitzudenken und zu berücksichtigen sind. Daneben bietet „IO2 MOOC“ (Massive Open Online Course) (Kapitel 9.2., Peter Kowalyk et al.) eine Fort- und Weiterbildung für schulisches Personal, die bei dieser Zielgruppe für eine professionelle Kompetenzerweiterung auf virtueller Ebene sorgen soll. IO3 (Kapitel 9.3., Linda Huber) ist hingegen auf ein transnationales Fortbildungskonzept hin ausgerichtet, wobei sich eine gezielte, professionelle Methodik bzw. Didaktik in der Zusammenarbeit von Lehrenden und Lernenden zeigen soll. Hierfür sind von den Projektpartner*innen verschiedene Module konzipiert worden, die diese Prozesse befördern sollen. Bottom-Up- und Top-Down-Strategien gilt es dabei gleichermaßen zu berücksichtigen. Um dies beispielhaft zu verdeutlichen, kann das Poster „Menschen im Gespräch – Peer Mediation in der Volkschule (Karin Stock) “ und das Poster „Mika – D: Ein Messinstrument zur Kompetenzanalyse Deutsch (Sabine Lüftenegger)“ angeführt werden.

Auch „IO4 – das Mehrsprachenkompetenzmodell“ (Kapitel 9.4., Marianne Müller et al.) – wurde insbesondere in Kapitel 3.3. (Hermann Scheiring et al.) qualitativ und quantitativ erprobt und wird in der Publikation veranschaulicht. Es ist anzunehmen, dass dessen Etablierung Schüler*innen einen Mehrwert bringt, die Professionalität von Lehrenden fördert und die Klassen- bzw. Schuldynamik nachhaltig prägt. Durch die transparente Darstellung der verschiedenen Bereiche und Anforderungen werden erforderliche Gütekriterien sofort sichtbar. Dadurch werden Lehrer*innen insbesondere in der Planung, Vorbereitung und Durchführung ihrer Lehreinheiten unterstützt.

Insgesamt bildet sich in der Publikation ab, dass die Aus- und Fortbildung von Lehrer*innen einen essenziellen Stellenwert einnimmt. Dessen Relevanz zeigt sich nicht nur durch beteiligte Personen in den individuellen Teilprojekten der IOs bzw. Produkte, sondern verläuft über Ländergrenzen hinweg, da vor allem die Netzwerkarbeit innerhalb des Projekts von großer Bedeutung ist. Die Kooperation unterschiedlicher Stakeholder ist im Rahmen der Publikation als besonders relevant einzustufen, da keine kurzfristige Lösung, sondern vielmehr ein längerfristiger Diskurs im Fokus steht. Die kooperierenden Regionen bestätigen, dass eine nachhaltige Berücksichtigung von Mehrsprachigkeit in den untersuchten Vorbereitungsklassen und Klassenstufen drei bis sechs unumgänglich ist, um der Zunahme von Heterogenität gerecht werden zu können. Überdies sei ein Gefühl des Zusammenhalts auf lokaler und globaler Ebene zu erzielen. Der Umgang mit Themen der Mehrsprachigkeit, Deutsch als Zweit- und Fremdsprache, Heterogenität und Interkulturalität in der Aus- und Fortbildung von Lehrpersonal, sowie Schule und Unterricht sind somit essenziell, um adäquat auf derzeitige und zukünftige Anforderungen im Kontext Schule reagieren zu können. Projekte und Veröffentlichungen wie diese tragen maßgebend dazu bei, die Berücksichtigung von Heterogenität deutlich zu machen und den Auftrag in Hinblick auf Chancengleichheit zu betonen.
Lisa-Maria Lembacher und Vasileios Symeonidis (Graz)
Zur Zitierweise der Rezension:
Lisa-Maria Lembacher und Vasileios Symeonidis: Rezension von: Mattheis, Carmen: Menschen im Gespräch, Lehrerfortbildung im europäischen Kontext. Hohengehren: Schneider Verlag 2021. In: EWR 21 (2022), Nr. 1 (Veröffentlicht am 19.01.2022), URL: http://klinkhardt.de/ewr/978383402106.html