
(1) Bestimmung von Grundlagen: Bildungschancen, soziale und schulische Bedingungen, Leistungsunterschiede im internationalen Vergleich und Selektionsmechanismen im deutschen Schulsystem;
(2) Kennzeichnung von Lerngruppen durch: Hochbegabung, Hyperaktivität, (zugeschriebene) Behinderungen, Aggressivität und Gewaltausübung, Schulabsentismus und Geschlechterdifferenzen;
(3) Skizzierung von Bausteinen für einen pädagogischen Umgang mit Heterogenität: Diagnostik und Förderung, integratives und jahrgangsübergreifendes Lernen, Kleingruppenunterricht, Gestaltung des Übergangs vom Kindergarten in die Grundschule sowie in den Sekundarbereich hinein bei einer besonderen Berücksichtigung des Schriftspracherwerbs und der kulturellen resp. religiösen Vielfalt.
Mit dieser Vielperspektivität entwickeln die Autorinnen und Autoren eine theoretische Rahmung (Reiner Lehberger/Uwe Sandfuchs, Sibylle Schneider, Gundel Schümer, Klaus-Jürgen Tillmann, Sybille Volkholz), die mit Blick auf die Schülerinnen und Schüler (Hannelore Faulstich-Wieland, Uwe Sandfuchs, Rolf Werning, Andreas Hinz, Wolfgang Melzer/Andrea Kruse, Christoph Gallschütz) den Bogen zur Auseinandersetzung mit Praxisberichten, ausgewählten Projekten und Hinweisen für den reflektierenden Umgang mit heterogenen Unterrichtssituationen schlägt (Karl Dieter Schuck, Martin Wellenreuther, Wiltrud Thies, Roland Hepting, Katrin Höhmann, Agi Schründer-Lenzen, Havva Engin, Ursula Neumann, Beate Grabbe-Letschert, Reiner Lehberger, Wolfram Weiße), ohne ein praxeologisches Handbuch zu sein. Vielmehr tragen die theoriegeleiteten Beiträge sowie die konsequenten Hinweise auf aktuelle Forschungslagen und empirische Ergebnisse, aber auch die vielen kritischen Positionierungen dazu bei, für neue Sichtweisen und ein eigenes Nachdenken zu sensibilisieren.
Sicher wäre ein – den „roten Faden“ aufgreifendes – Schlusskapitel, in dem Gedanken gebündelt, ein Ausblick auf weitere Forschung, mögliche Entwicklungen und bildungspolitische Fortschreibungen gegeben oder auch die Perspektive der Professionalisierung von Lehrkräften – stärker als es zum Teil in den Einzelbeiträgen geschieht – fokussiert werden, hilfreich. Dennoch ist und bleibt der vorliegende Herausgeberband uneingeschränkt lesenswert, dieses nicht nur aufgrund seiner thematischen Breite, die – das sei positiv betont – neben kulturellen, religiösen und geschlechterbezogenen Differenzen auch Leistungsstärken und -schwächen sowie Verhaltensauffälligkeiten der Schülerinnen und Schüler in den Blick nimmt und schulische Handlungsoptionen einschließlich einer grundlegenden – über die Feststellung eines sonderpädagogischen Förderbedarfs hinausgehenden – Diagnostik und Förderung entfaltet. Interesse wird er bei Studierenden, (Hochschul-)Lehrenden, Referendarinnen und Referendaren auch aufgrund seines umfassenden und zugleich forschungsbasiert vertiefenden Überblicks sowie der erschöpfenden, eine weitere inhaltliche Auseinandersetzung ermöglichenden Literaturverweise wecken.