EWR 21 (2022), Nr. 1 (Januar)

Dominik Petko
EinfĂŒhrung in die Mediendidaktik
Lehren und Lernen mit digitalen Medien
2. Auflage
Weinheim: Beltz 2021
(212 S.; ISBN 978-3-407-25810-6; 26,95 EUR)
EinfĂŒhrung in die Mediendidaktik Digitale Medien sind spĂ€testens seit der Corona-Pandemie ein wichtiger Teil von schulischen Lehr-Lernarrangements, so dass Fragen nach der adĂ€quaten Integration von digitalen Medien in Schule und Unterricht virulenter sind denn je. Mediendidaktische Kompetenzen werden damit insbesondere fĂŒr (angehende) Lehrer*innen immer notwendiger, gleichzeitig ist das Handlungsfeld „Mediendidaktik“ ein breites. An diese Herausforderungen schulischer (Medien )Bildung knĂŒpft der vorliegende Band an. Die „EinfĂŒhrung in die Mediendidaktik“ wurde 2021 in einer zweiten Auflage veröffentlicht. Im Vergleich zur ersten Auflage aus dem Jahr 2014 ist sie in ihren Zielen und im Aufbau weitestgehend gleichgeblieben, jedoch gibt es kleinere VerĂ€nderungen sowohl in der (gelungenen) Neu-Anordnung einzelner Unterkapitel als auch darin, dass einige Themen neu hinzugekommen und andere weggefallen sind. So findet sich beispielsweise das Thema Green IT nicht mehr so prominent, stattdessen findet sich ein neues, kurzes Kapitel ĂŒber Learning Analytics als eine wichtige aktuelle Entwicklung im Bereich Mediendidaktik, die sicherlich unter der Perspektive von Datafizierung von Schule erst in den Kinderschuhen steckt [1].

Die EinfĂŒhrung verfolgt nach Aussage des Autors Dominik Petko den Anspruch, eine „praxisorientierte(n) EinfĂŒhrung in die Möglichkeiten und Herausforderungen digitaler Medien in Schulen [zu] geben und damit auch zum Nachdenken ĂŒber die Rolle von Lehrpersonen in der Informationsgesellschaft an[zu]regen“ (10). Dabei sollen Lehrpersonen vor allem „Ideen bekommen, wie sie geeignete Medien fĂŒr ihren Unterricht auswĂ€hlen und einsetzen können“ (ebd.). Dieses Ziel und der damit verbundene Anspruch spiegeln sich sowohl in der Anlage als auch im Aufbau des Buches.

Nach einer kurzen Einleitung, in der vor allem auf die besondere Rolle von Schule in der aktuellen Gesellschaft Bezug genommen und die Frage aufgeworfen wird, welche Bedeutung digitale Medien aktuell in der Schule spielen, folgt Kapitel 2 mit dem Titel „Grundbegriffe“. Hier beschĂ€ftigt sich Dominik Petko, wie schon in der ersten Auflage des Buches, souverĂ€n zwischen notwendiger Tiefe und angemessener KĂŒrze mit dem Medienbegriff ebenso wie mit der Frage nach den immer wieder im Diskurs auftauchenden sog. „neuen“ Medien. Im Unterschied zur Erstauflage erörtert er folgerichtig an weiterer Stelle in diesem Kapitel aber auch die disziplinĂ€re Auseinandersetzung mit Mediendidaktik als Teil von SchulpĂ€dagogik und als Teil von MedienpĂ€dagogik, so dass den Lesenden deutlich wird, dass Fragen der Mediendidaktik sowohl an schul- wie auch medienpĂ€dagogische Diskurslinien anknĂŒpfen.

Einer EinfĂŒhrung in die Gestaltung von Lehr-Lernarrangements mit und durch digitale Medien gerecht werdend, widmet sich dann Kapitel 3 konsequenterweise den lerntheoretischen Grundlagen. Nach der KlĂ€rung, wie Lernen als (lehr-lernpsychologischer) Prozess zu verstehen ist, fĂŒhrt Dominik Petko stringent und in einer gerade fĂŒr Studierende angemessenen Tiefe durch die verschiedenen lerntheoretischen AnsĂ€tze (Behaviorismus, Kognitivismus, Konstruktivismus sowie Sozialkonstruktivismus). Es folgt darĂŒber hinaus die Aufnahme neuerer Diskurse innerhalb der lernpsychologischen Grundlagen, wie emotions- und motivationspsychologische sowie neurowissenschaftliche AnsĂ€tze, die in ihrem Bezug zur Mediendidaktik verortet werden. Im Anschluss daran geht der Autor unter der Frage „Lernen Menschen besser mit digitalen Medien?“ den oft unterstellten ‚Wirkungen‘ bzw. Wirkannahmen digitaler Medien in Lehr-Lernprozessen nach. Hier werden differenzielle Wirksamkeitsfragen nachgezeichnet (z. B. die bekannte Kozma Clark Debatte), aber auch die Effekte aus Metaanalysen sowie Schulleistungsstudien vorgestellt und kritisch eingeordnet.

Leicht verĂ€ndert gegenĂŒber der ersten Auflage stellt sich auch das Kapitel 4 mit dem Thema der mediendidaktischen Grundlagen dar. Hier ordnet Dominik Petko den Einsatz digitaler Medien vor allem nach mediendidaktischen Handlungsfeldern. Ausgehend von Handlungsfeldern wie Darstellen und Veranschaulichen, Experimentieren und Üben, Produzieren und Programmieren, Kommunizieren und Kooperieren, Organisieren und Dokumentieren sowie PrĂŒfen und Beurteilen stellt er unterschiedliche Formen des Medieneinsatzes dar. Damit eignet sich das Buch bis dahin in seinen AusfĂŒhrungen auch, wie von ihm intendiert, fĂŒr „Bildungsverantwortliche in Unternehmen oder Hochschulen“ (10).
Die sich anschließenden Kapitel 5 und 6 widmen sich dann tiefer spezifischen Fragen von digitalen Medien in der Bildungsinstitution Schule: So behandelt Kapitel 5 das Thema Medien im Unterricht zum einen hinsichtlich allgemeiner mediendidaktischer VorĂŒberlegungen entlang der ‚klassischen‘ Fragen von Lehr-Lernzielen, Lernvoraussetzungen und der Planung. Zum anderen zeigt Dominik Petko im zweiten Teil des Kapitels dann aber ganz konkrete Potenziale digitaler Medien fĂŒr einzelne UnterrichtsfĂ€cher (z. B. erstsprachlicher Unterricht, Fremdsprachen- oder Mathematikunterricht) auf. Dabei gelingt es ihm sehr gut, Potenziale digitaler Medien in allen FĂ€chergruppen aufzufĂŒhren, so dass schnell klar wird, dass es eigentlich kein Fach mehr gibt, in dem digitale Medien keine Rolle spielen (können); selbst im Sport- oder Kunstunterricht werden Beispiele fĂŒr den Einsatz digitaler Medien angefĂŒhrt. Nicht zuletzt widmet Dominik Petko dem wichtigen Thema der Förderung von Medienkompetenz ein ganzes Unterkapitel.

Doch digitale Medien in der Schule sind nicht nur von mediendidaktischen Entscheidungen abhĂ€ngig, sondern auch von den Rahmenbedingungen. Demnach sind diesen das gesamte Kapitel 6 gewidmet. Neben Fragen der Integration von digitalen Medien als Thema des Schulsystems wird auch die Lehrpersonenbildung ebenso wie die Rolle von Schulleitungen oder Infrastruktur und damit verbundene Aufgaben von Schule adressiert. Das Kapitel weist zusammenfassend auf die Notwendigkeit von Medienkompetenzen von Lehrpersonen ebenso wie von SchĂŒler*innen hin und endet unter der TeilĂŒberschrift „Die Zukunft beginnt heute.“ (173) mit dem wichtigen Ausblick mediendidaktischer Entwicklungen: „WĂ€hrend heute oft noch die technologischen Entwicklungen die prĂ€genden Impulse liefern, muss es in Zukunft gelingen, dass verstĂ€rkt mediendidaktische und medienbildungsbezogene Überlegungen ins Zentrum der Unterrichts- und Schulentwicklung rĂŒcken“ (ebd.).

Das EinfĂŒhrungswerk ist zu Recht darauf angelegt, dass es eher Handlungsfelder denn digitale Medien und deren Formate in den Fokus rĂŒckt. Offen bleibt allerdings ein wenig, warum genau diese Handlungsfelder (Darstellen und Veranschaulichen, Experimentieren und Üben, Produzieren und Programmieren, Kommunizieren und Kooperieren, Organisieren und Dokumentieren sowie PrĂŒfen und Beurteilen) ausgewĂ€hlt wurden. Neben einer praktischen Relevanz decken sich diese zwar in weiten Teilen mit der fĂŒr die Lehrer*innenbildung in Deutschland relevanten Strategie „Bildung in der digitalen Welt“ der KMK [2], jedoch fallen im Vergleich damit einige Aspekte weniger stark aus, so z. B. die in der KMK Strategie genannten Bereich wie Suchen, Verarbeiten und Aufbewahren, aber auch SchĂŒtzen und sicher Agieren“ oder „Analysieren und Reflektieren“. Nun könnte man argumentieren, dass vor allem die zwei letztgenannten Bereiche eher in das Feld der Medienerziehung fallen, jedoch berĂŒhren sie auch mediendidaktische Fragen, insbesondere wenn es darum geht, digitale Medien auch hinsichtlich der Aspekte von Datenschutz zu beurteilen oder mittels Medien die Analyse und Reflexion zu fördern, was Dominik Petko ja auch mehrfach mit Hinweis auf die Förderung von Medienkompetenzen der Lernenden im Buch zum Thema macht. Daher wĂ€re es ggf. noch interessant gewesen, auch das Handlungsfeld „Reflexion“ sowie den sicheren Einsatz von digitalen Medien mit aufzunehmen, denn eine kritischere Perspektive auf den Einsatz digitaler Medien auch hinsichtlich der VerĂ€nderungen von Schule (Stichwort critical edtech) fehlt dem Buch aktuell noch ein wenig, ist aber in Zeiten zunehmender plattformbasierter Bildung notwendiger denn je. So thematisiert der Autor beispielsweise Schulmanagement- und SchĂŒlerinformationssysteme (vgl. 106), nimmt dabei aber eine eher positive Sichtweise darauf ein, ohne auf die dahinterliegenden auch ethischen Perspektiven einzugehen (z. B. die zunehmende Datafizierung und Vermessung des Unterrichts). Daher wĂ€ren es wĂŒnschenswert gewesen, mehr Aussagen und Hinweise in die Richtung zu finden, „dass nicht jedes digitale Medium fĂŒr Lernen und Unterricht geeignet ist. Es gibt sehr viele gut gemeinte, aber auch schlecht gemachte Lernmedien“ (111).

Aber insgesamt, und das gilt es hervorzuheben, gelingt es Dominik Petko ausgezeichnet, das Buch auch in der zweiten Auflage sowohl praxis- als auch empirie- und theoriebasiert anzulegen und damit insbesondere Studierenden bzw. Einsteiger*innen im Feld Mediendidaktik eine fundierte Orientierung ĂŒber ein komplexes Feld zu geben. Der didaktische Aufbau des Buches und die vielen gut geschriebenen Zusammenfassungen erleichtern es gerade Studierenden und/oder Noviz*innen, den Überblick ĂŒber ein vielschichtiges Feld zu behalten. Ebenso ist es als Nachschlagewerk fĂŒr einzelne Themenbereiche nicht minder interessant. DarĂŒber hinaus lernt der bzw. die Leser*in nicht nur einzelne Medienformen und deren didaktischen Einsatz kennen, sondern auch internationale empirische Forschungsergebnisse dazu bis hin zu Limitationen von Metastudien zur Wirksamkeit digitaler Medien im Lehr-Lernprozess. Die oben angesprochene Neujustierung einzelner Kapitel fĂŒhrt gegenĂŒber der Erstauflage dazu, dass diese nun in sich viel stringenter sind und damit das Buch – gerade auch fĂŒr Studierende – noch besser lesbar machen. Damit kann die vorliegende EinfĂŒhrung mittlerweile fĂŒr Studierende des bildungswissenschaftlichen Teils des Lehramtsstudiums als ein Standardwerk zur Mediendidaktik gelten, welches in einer angemessenen Tiefe eine Mischung aus wissenschaftlichen und praktischen Erkenntnissen bietet, um darauf aufbauend digitale Medien im Unterricht nicht nur adĂ€quat einzusetzen, sondern auch kritisch zu reflektieren.

[1] Schiefner-Rohs, Mandy, Hofhues, Sandra und Breiter, Andreas (2021). Editorial: Datengetriebene Schule. MedienPĂ€dagogik: Zeitschrift fĂŒr Theorie und Praxis der Medienbildung 44 (Data Driven Schools):i-xii, URL: https://doi.org/10.21240/mpaed/44/2021.10.25.X. (abgerufen zuletzt 17.01.22).
[2] KMK: Strategie der Kultusministerkonferenz „Bildung in der digitalen Welt“. Beschluss der Kultusministerkonferenz vom 08.12.2016 in der Fassung vom 07.12.2017, https://www.kmk.org/fileadmin/Dateien/pdf/PresseUndAktuelles/2018/Digitalstrategie_2017_mit_Weiterbildung.pdf
Mandy Schiefner-Rohs (Kaiserslautern)
Zur Zitierweise der Rezension:
Mandy Schiefner-Rohs: Rezension von: Petko, Dominik: EinfĂŒhrung in die Mediendidaktik, Lehren und Lernen mit digitalen Medien 2. Auflage. Weinheim: Beltz 2021. In: EWR 21 (2022), Nr. 1 (Veröffentlicht am 19.01.2022), URL: http://klinkhardt.de/ewr/978340725810.html