EWR 7 (2008), Nr. 6 (November/Dezember)

Heinz-Elmar Tenorth / Rolf Lindner / Frank Fechner / Jens Wietschorke (Hrsg.)
Friedrich Siegmund-Schultze (1885-1969)
Ein Leben für Kirche, Wissenschaft und soziale Arbeit
Stuttgart: Kohlhammer 2007
(156 S.; ISBN 978-3-17-019948-4; 22,00 EUR)
Friedrich Siegmund-Schultze (1885-1969) Der Titel des Bandes zeigt eine große Bandbreite an Themen an, die mit F. Siegmund-Schultze verbunden werden können. Beteiligt an dem Zustandekommen des Bandes waren dabei Theologen, Erziehungswissenschaftler und Ethnologen. Warum soll man sich mit Siegmund-Schultze beschäftigen? Seines Zeichens evangelischer Pfarrer mit kirchlichen Karrierechancen sah er innerhalb der Kirche seine Hauptaufgabe in der Ökumene und Friedensarbeit. 1911 zog er als vergleichsweise später Nachfahre der angelsächsischen Settlementidee in den proletarischen Berliner Osten in die Gegend des heutigen Ostbahnhofs und baute dort die Soziale Arbeitsgemeinschaft Ost auf, was ihn zu einem frühen Exponenten der Sozialen Arbeit in Deutschland macht. 1926 wurde er zum Honorarprofessor für Jugendkunde und Jugendwohlfahrt an der Berliner Universität ernannt. 1933 in die Emigration gezwungen, kehrte er nach 1945 zurück und hatte in der Folgezeit an der Universität Münster bis 1958 eine Honorarprofessur für Sozialethik und Sozialpädagogik inne. In der Hauptsache war er Praktiker, dem – nach der Lektüre des Bandes – Wissenschaftlichkeit weitgehend abgesprochen werden muss. Seine theoretischen Prämissen standen dem Denken der geisteswissenschaftlichen Pädagogik modo Eduard Spranger, der die Übertragung der Honorarprofessur an Siegmund-Schultze aus wissenschaftspolitischen Gründen unterstützte, nahe bzw. waren nach 1945 in einer deutlichen Weise sozialethisch geprägt. Seine Praxis muss sowohl in sozialpädagogischer als auch in ethnologischer Sicht als randständig bezeichnet werden. Siegmund-Schultze steht also nicht für den Mainstream, sondern für die Randbereiche, sowohl in der Erziehungswissenschaft und Sozialen Arbeit als auch in der kirchlichen Arbeit, von denen aus einen Blick auf den Mainstream zu werfen ja durchaus für Erkenntnisse gut ist. Insofern bietet der Band lehrreiche Einblicke in die Geschichte der Erziehungswissenschaft, Theologie und Ethnologie des 20. Jahrhunderts.
Klaus-Peter Horn (Tübingen)
Zur Zitierweise der Annotation:
Klaus-Peter Horn: Annotation zu: Tenorth, Heinz-Elmar / Lindner, Rolf / Fechner, Frank / Wietschorke, Jens (Hg.): Friedrich Siegmund-Schultze (1885-1969). : . In: EWR 7 (2008), Nr. 6 (Veröffentlicht am 05.12.2008), URL: http://klinkhardt.de/ewr/annotation/978317019948.html