EWR 6 (2007), Nr. 6 (November/Dezember 2007)

Hans GĂĽnther Homfeldt / Stephan Sting
Soziale Arbeit und Gesundheit
Eine EinfĂĽhrung
MĂĽnchen, Basel: Reinhardt 2006
(244 S.; ISBN 978-3-497-01876-3; 24,90 EUR)
Soziale Arbeit und Gesundheit Es scheint inzwischen in den medialen Diskursen zu Gesundheit weit reichend anerkannt zu sein, dass Sozialarbeiterinnen und -arbeiter einen wichtigen Beitrag zur Gesundheitsversorgung und zur Gesundheitsförderung leisten könnten und sollten. Gesundheit wird – auch aufgrund des Scheiterns der bisherigen Gesundheitspolitiken – nicht mehr als alleinige Aufgabe der Medizin verstanden, sondern als eine gesellschaftliche Querschnittsaufgabe. Zugleich besetzt die Soziale Arbeit in den gegenwärtigen Debatten eher eine Rand- als eine Schlüsselposition. Eine theoretische wie konzeptionelle Fundierung des originären Zusammenhangs von Sozialer Arbeit und Gesundheit steht zudem noch weitgehend aus. An diesen Defiziten setzt das von Hans Günther Homfeldt und Stephan Sting verfasste Einführungsbuch an. Den Autoren geht es zum einen um eine historische wie theoretisierende Verknüpfung von gesundheitlichen und sozial(-pädagogischen) Perspektiven und Handlungsansätzen. Zum anderen liefern sie konzeptionelle Überlegungen, die neben der Wieder- bzw. Neuentdeckung der traditionellen Bezüge als Zukunftsprojekt für eine Weiterentwicklung der Sozialen Arbeit zu verstehen sind.

Nach einer kurzen Einführung in die systematischen Bezugspunkte von Gesundheit und Sozialer Arbeit werden beispielhaft unterschiedliche Gesundheitssysteme und ihre Steuerungen vorgestellt. Ein anschaulich zusammengestellter historischer Rückgriff auf die Entwicklung der staatlichen Gesundheitsfürsorge bindet die Entstehungsgeschichte der Körperkulturen, des modernen Gesundheitsbewusstseins, der Hygiene und schließlich der Sozialhygiene zusammen. Die Autoren heben anhand von Beispielen wie der Tuberkulose überzeugend hervor, dass die im 20. Jahrhundert entstehende Gesundheitsfürsorge nicht außerhalb der gesellschaftspolitischen Entwicklungen agiert, sondern ihren Auftrag eng mit den jeweiligen Vorstellungen von öffentlicher Ordnung und den herrschenden Ideologien verknüpft.

Nach einer guten Übersicht der unterschiedlichen theoretischen Erklärungsmodelle zur Entstehung von Krankheit und Gesundheit sowie zur Erforschung des gesundheitsbezogenen Alltagshandelns greifen die Autoren die aktuelle Debatte um gesundheitliche Ungleichheit auf. Mittels der vielfältigen empirischen Befunde fokussieren sie insbesondere auf die immanenten Verbindungen von gesundheitlichen und sozialen Ungleichheiten und das spezifische Potential der Bearbeitung durch Soziale Arbeit. Durch den als „soziale Bildung“ skizzierten Ansatz soll ein explizit sozialpädagogischer Zugang zu den Problemlagen angeregt werden. Als eine weitere, sozialstrukturelle Perspektive auf Gesundheit, Gesundheitsverhalten und -förderung werden die spezifischen Problematiken entlang der unterschiedlichen Lebensphasen und als Geschlechterdifferenz erörtert. Im letzten Teil des Buches stellen die Autoren konkrete berufliche Felder „sozialer Gesundheitsarbeit“ und die sich wandelnden sozialpädagogischen Konzepte ausführlich vor, z.B. die Sucht- und Aidsprävention, die gesundheitsbezogene Gemeinwesenarbeit und die Klinische Sozialarbeit. Besonders anregend sind hier die kurzen Darstellungen von Modellprojekten, die Lust machen, mehr von der jeweiligen Praxis zur Prävention und Gesundheitsförderung zu erfahren.

Das Einführungsbuch wurde mittels einer Fülle von Hinweisen und Kurzzusammenfassungen zu empirischen Studien zusammengestellt, entlang derer die Autoren ihre Argumentation entwickeln. Man merkt dem Text an, dass die Autoren auf eigene Forschungen und eine langjährige fundierte theoretische Bearbeitung der Thematik zurückgreifen können. Die rekonstruierten historischen Entwicklungslinien sowie die gesundheitswissenschaftlichen Konzepte werden systematisch einer kritischen Reflexion unterzogen, die darauf abzielt, die spezifische soziale Dimension von Gesundheit und Gesundheitsförderung hervorzuheben. Das Buch ist uneingeschränkt all denjenigen zu empfehlen, die sich einen Überblick über den aktuellen Stand der Debatte verschaffen möchten und zudem reflexive Anregungen suchen, Gesundheit und Gesundheitsförderung als Schlüsselaufgabe der Sozialen Arbeit zu denken und konzeptionell weiter zu entwickeln.
Kirsten Sander (Dresden)
Zur Zitierweise der Rezension:
Kirsten Sander: Rezension von: Homfeldt, Hans GĂĽnther / Sting, Stephan: Soziale Arbeit und Gesundheit, Eine EinfĂĽhrung. MĂĽnchen, Basel: Reinhardt 2006. In: EWR 6 (2007), Nr. 6 (Veröffentlicht am 05.12.2007), URL: http://klinkhardt.de/ewr/978349701876.html